Portrait

Bild: Christina Franzisket

„Wer vorne steht, muss etwas vorleben“
SPD-OB-Kandidat Gert-Uwe Mende will das Klima in der Stadt verändern/ Stark geprägt von seiner sozialdemokratischen Familie

WIESBADEN. „Als Schüler bin ich auf der Straße öfter gefragt worden, ob ich auch einmal Bürgermeister werden will. Ich habe das immer verneint.“ Und nun ist alles ganz anders gekommen. Gert-Uwe Mende will. Der 56-jährige Sozialdemokrat kämpft darum, im Frühjahr zum Wiesbadener Oberbürgermeister gewählt zu werden. Starken Rückenwind von seiner SPD hat er.

Die Kommunalpolitik hat Gert-Uwe Mende mit der Muttermilch aufgesogen. Sein Vater August-Wilhelm Mende (1929 – 1986) war zwei Jahrzehnte lang Bürgermeister in Bebra, das damals noch im Zonenrandgebiet lag. Da wurde viel politisiert in der siebenköpfigen Familie. Sein Vater, in der SPD liebevoll „AuWi“ genannt, bleibt für Gert-Uwe ein Vorbild. Auch deshalb, weil er immer klare Kante gegen rechts gezeigt und zum Beispiel eine Gedenkfeier für den in Plötzensee hingerichteten Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz (1909 – 1944) ins Leben gerufen hat. Dafür haben ihn Anfang der 70er Jahre Ewiggestrige noch angefeindet. In Bebra ist der Stammsitz der Familie von Trott zu Solz.

 

Eltern als Vorbilder

Noch mehr als der Vater hat aber die Mutter Gert-Uwe Mende beeinflusst: durch ihr unermüdliches soziales Engagement. Brigitte Mende war Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Hessen-Nord und stellvertretende Awo-Bundesvorsitzende. „Für ihre Awo war sie immer unterwegs.“

Inklusion wurde bei den Mendes schon vor einem halben Jahrhundert praktiziert. Gert-Uwes Schwester ist geistig behindert. „Meine drei Brüder und ich waren für meine Schwester die beste Möglichkeit, gefördert zu werden“, sagt der OB-Kandidat, der als Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion sein Büro vorerst noch im Landtagskomplex hat. Gert-Uwe Mende ist evangelisch, fühlt sich aber auch der katholischen Soziallehre verbunden. Die Familie seiner Mutter war katholisch und auch seine Ehefrau Susanne arbeitet in ihrer katholischen Kirchengemeinde mit.

 

Für fairen Umgang

Ein bisschen sozialdemokratisch gefärbt war Mendes Geschichtsstudium in Göttingen. Unter anderem bei Helga Grebing (1930 – 2017), der „Mutter“ der Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung. Als Student hat Gert-Uwe Mende für das Göttinger Tageblatt Kleinkunst-Kritiken geschrieben, danach Zivildienst beim Göttinger Studentenwerk gemacht, später bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) in Kassel volontiert. Als Redakteur hat er nicht lange gearbeitet. Innenminister Herbert Günther holte ihn 1991 als Pressesprecher nach Wiesbaden.

Sein journalistisches Ethos hat Mende auch bei dieser Arbeit „auf der anderen Seite“ als Pressesprecher bewahrt. „Bei mir kommt immer zuerst die Sache, danach die Meinung.“ Fairer Umgang mit Journalisten war und ist für ihn ein wichtiges Gebot. Sachbezogenes Arbeiten steht auch im Ortsbeirat Dotzheim obenan. Seit August 2018 ist Gert-Uwe Mende dort Ortsvorsteher.

In Dotzheim lebt Gert-Uwe Mende mit seiner Familie, Frau Susanne und seiner 18-jährigen Tochter. Der 24-jährige Sohn lebt ebenfalls in Wiesbaden.  Auch als Oberbürgermeister will Gert-Uwe Mende Familienmensch bleiben. Dazu gehört für ihn auch, die Familie weitgehend aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

 

„Das Klima verändern“

Was sich in der Stadt ändern wird, wenn Gert-Uwe Mende im Juli das Amt des Oberbürgermeisters antritt?  „Ich möchte von der Spitze aus dazu beitragen, das Klima zu verändern. Wer vorne steht, muss etwas vorleben.“ Von persönlichen Animositäten will er sich fernhalten: „Ich habe mit niemanden Krach und will auch mit niemanden Krach anfangen.“

Sein Anliegen Nummer eins:  bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bund, Land und Kommunen dürften Bauland nicht zu Höchstpreisen  verkaufen, sondern an den Investor mit dem besten Konzept.

Erst vor paar Wochen ist Gert-Uwe Mende mit seinem Büro umgezogen. Seine Bilder, darunter ein „Familienfoto“ mit ihm, seinem Vater und Willy Brandt hängt er aber noch nicht auf. Vielleicht, schmunzelt der OB-Kandidat, „muss ich im Juli ja schon wieder umziehen. Dann hinterlasse ich keine Löcher an den Wänden.“

MANFRED GERBER